Samstag, 22. September 2007

Erneute Reform des deutschen Urheberrechts beschlossen

Bundestag und Bundesrat haben eine erneute Änderung des Urheberrechts beschlossen, die voraussichtlich am 01.01.2008 in Kraft treten wird. Ziel dieses so genannten Zweiten Korbs des Urheberrechtsgesetzes (zum Ersten Korb siehe den News-Artikel vom 12.09.2003) ist es, das deutsche Urheberrecht an die Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie anzupassen. Auf einige wesentliche Änderungen der Rechtslage soll im Folgenden eingegangen werden.




PAUSCHALVERGÜTUNG


Neu geregelt wurde zunächst einmal die Pauschalvergütung nach den §§ 54 ff. des Urheberrechtsgesetzes (UrhG). Dabei geht es um einen finanziellen Ausgleich für die Fälle, in denen Urheber kraft Gesetzes einer Vervielfältigung nicht widersprechen können (so genannte Schranken des Urheberrechts), zum Beispiel bei Privatkopien (§ 53 I UrhG, siehe unten) und bei wissenschaftlichem Gebrauch (§ 53 II Nr. 1 UrhG). Derartige Vergütungsansprüche können nach wie vor nur über eine Verwertungsgesellschaft wie beispielsweise die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) geltend gemacht werden. Neu geregelt wurde insbesondere die Höhe der Pauschalvergütung, die zu entrichten ist von Herstellern von Geräten und Leermedien, die das Kopieren von urheberrechtlich geschützten Werken ermöglichen, also z. B. CD-Brennern und CD-Rohlingen. Für die Höhe der Vergütung soll es nunmehr darauf ankommen, in welchem Umfang ein Gerät tatsächlich zur Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material verwendet wird und nicht mehr nur darauf, ob man mit einem solchen Gerät kopieren kann. Dies soll für mehr Gerechtigkeit sorgen.




PRIVATKOPIEN

Einzelne Kopien aus nicht offensichtlich rechtswidrigen Quellen


Die für den Verbraucher sicherlich wichtigste Frage ist die nach der Zulässigkeit von Privatkopien. Bestehen bleibt die Befugnis von Privatleuten, einzelne Vervielfältigungen eines Werkes zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern anzufertigen oder sich unentgeltlich anfertigen zu lassen, soweit dies nicht Erwerbszwecken dient (§ 53 I UrhG). War seit dem Ersten Korb die Privatkopie bei Verwendung von "offensichtlich rechtswidrig hergestellte[n] Vorlage[n]" verboten, so umfasst dieses Verbot nun auch die Verwendung zwar rechtmäßig hergestellter, aber rechtswidrig öffentlich zugänglich gemachter Vorlagen. Der Download von Werken in Peer-to-Peer-Tauschbörsen ist also jetzt auch dann unzweifelhaft verboten, wenn die Anfertigung der entsprechenden Datei durch denjenigen, der sie bereitgestellt hat, rechtmäßig war, er aber nicht das Recht hatte, die Datei in eine Tauschbörse einzustellen. Durch die Verwendung des Begriffs "offensichtlich" will der Gesetzgeber deutlich machen, dass den User keine Nachforschungs- bzw. Prüfpflicht trifft. Vielmehr kommt es darauf an, ob "die öffentliche Zugänglichmachung für den jeweiligen Nutzer nach seinem Bildungs- und Kenntnisstand offensichtlich rechtswidrig" erscheint (Bundestags-Drucksache Nr. 16/1828, S. 26).

Nach wie vor nicht geregelt ist, wie viele Kopien ein Privatmann machen darf, das Gesetz spricht ja lediglich von "einzelnen". Das Bundesjustizministerium vertritt hierzu die Auffassung, dass dies vom Einzelfall abhänge, etwa von der Familiengröße (Onlinekosten.de, Artikel "Urheberrecht: Wann das Kopieren künftig erlaubt ist" vom 10.07.2007).

Keine Umgehung von Kopierschutzmechanismen

Weiterhin bleibt nach § 95a UrhG das Kopieren aber dann verboten, wenn zu diesem Zweck ein technischer Kopierschutzmechanismus umgangen werden müsste. Der Rechteinhaber entscheidet also, ob eine digitale Privatkopie seines Werkes erlaubt ist oder nicht, indem er entweder auf eine Kopierschutzvorrichtung verzichtet oder eine solche einrichtet. (Für analoge Kopien ist eine Umgehung eines etwaigen Kopierschutzes nicht erforderlich, so dass einzelne analoge Privatkopien stets erlaubt sind.)
Unverändert bleiben die Strafvorschriften der § 106 ff. UrhG, insbesondere wurde keine Bagatellklausel eingeführt, was ursprünglich diskutiert worden war. Dadurch können auch eher unbedeutende Urheberrechtsverstöße weiterhin strafrechtlich verfolgt werden.

Kein vollständiges Verbot digitaler Kopien


Dem Vorschlag der phonographischen Wirtschaft, digitale Privatkopien gänzlich zu verbieten und nur analoge Vervielfältigungen zuzulassen, ist der Gesetzgeber bewusst nicht gefolgt. Er ist der Meinung, "[e]in solches Verbot würde die soziale Realität ignorieren und die Autorität und Glaubwürdigkeit der Rechtsordnung untergraben. Digitale Vervielfältigungsgeräte würden damit für überwiegend rechtswidrige Zwecke angeboten und genutzt [... und] auch digitale Mitschnitte von Rundfunk- und Fernsehsendungen der öffentlich-rechtlichen Sendeunternehmen [wären] verboten" (Bundestags-Drucksache Nr. 16/1828, S. 19). Auch würde damit Timeshifting – zeitversetzter Rundfunkempfang, bei dem eine Sendung aufgezeichnet wird und schon wiedergegeben wird, noch bevor die Aufnahme beendet ist – unzulässig. Viele Leute hätten sich aber schon an Timeshifting gewöhnt, so dass sie sich an das Verbot ohnehin nicht halten würden.

Keine "Kulturflatrate"


Ebenso wenig wurde dem Vorschlag von privatkopie.net entsprochen, die Onlinenutzung von Werken generell zu erlauben und den Urheber dafür nur pauschal zu entschädigen (vgl. oben "Pauschalvergütung"). Damit würde die normale Auswertung von Werken, insbesondere Vermarktung, im Internet unmöglich gemacht. Dies würde die berechtigten Interessen des Urhebers unzumutbar verletzen, denn dieser muss – insbesondere im Hinblick auf die Eigentumsgarantie von Artikel 14 des Grundgesetzes – das Recht haben, sein Werk umfassend zu verwerten. Da die Internetverwertung von Werken keinen Sonder-, sondern einen Regelfall darstellt, wäre eine solche Regelung wohl verfassungsrechtlich auch nicht haltbar, denn Urheberrechtsschranken darf es nur in Ausnahmefällen geben. Zu einer so genannten Kulturflatrate, also einer pauschalen Zwangsabgabe für Inhaber von Internetanschlüssen, mit deren Entrichtung digitale Kopien über das Internet abgegolten wären, kommt es also nicht.

Befugnis zur Privatkopie gibt kein Recht auf Privatkopie


"Der Gesetzgeber des Jahres 1965 hat die Privatkopie zugelassen, weil ein Verbot mangels Durchsetzbarkeit für den Urheber ohne Nutzen gewesen wäre und der Gesetzgeber dem Urheber über die Gerätevergütung wenigstens einen finanziellen Ausgleich für die unkontrollierbare Nutzung seiner Werke sichern wollte." (a. a. O., S. 20) "Den Verbrauchern ist aus der Befugnis zur Privatkopie, die 1965 aus der Not der geistigen Eigentümer geboren wurde, kein Recht erwachsen, das sich heute gegen das geistige Eigentum ins Feld führen ließe." (ebenda) Ein Recht auf digitale Privatkopien auch bei Vorhandensein von technischen Schutzmaßnahmen darf es nach Ansicht des Gesetzgebers nicht geben. Der von der Verfassung verlangte Schutz des Urhebers erfordert eine Möglichkeit für den Urheber, digitale Kopien zu unterbinden, sonst wäre eine kommerzielle Verwertung von Werken in den neuen Medien kaum noch möglich. Der Gesetzgeber stellt klar: "Es darf nicht sein, dass ein kostenloser Genuss von geistigem Eigentum für den Verbraucher zur Regel wird. Es gilt vielmehr, auch durch die Regelung der Privatkopie zu vermitteln, dass geistiges Eigentum – wie Sacheigentum – seinen Preis hat. Gerade Deutschland als rohstoffarmes Land ist auf einen entsprechenden gesellschaftlichen Konsens angewiesen. Nur wenn das Ergebnis von Kreativität angemessen bezahlt wird, wird es auch künftig Inhalte geben, die vom Verbraucher genutzt werden können." (ebenda)





DIGITALISIERUNG VON BIBILIOTHEKSBESTÄNDEN

Der neue § 52b UrhG erlaubt die Digitalisierung von Bibliotheksbeständen. Öffentlichen Bibliotheken, Museen und Archiven wird zur Erfüllung ihres Bildungsauftrags erlaubt, ihre Bestände auch in digitaler Form an eigens dafür eingerichteten elektronischen Leseplätzen zu Zwecken der Forschung und für private Studien zugänglich zu machen. Allerdings muss auch hierfür über eine Verwertungsgesellschaft eine Vergütung an die Urheber bezahlt werden. Diese Vorschrift gestattet aber nur das Anbieten einer digitalen Version von solchen Werken, die die entsprechende Einrichtung tatsächlich in ihrem Bestand hat, und dies auch nur in den Räumen der Einrichtung, nicht etwa von außen über das Internet. Der Gang in die Bibliothek wird dem Interessierten damit nicht erspart. "Eine Beschränkung dahingehend, dass nicht mehr Exemplare eines Werkes gleichzeitig an den elektronischen Leseplätzen zugänglich gemacht werden dürfen, als die Sammlung der jeweiligen Einrichtung umfasst, erscheint [dem Gesetzgeber] nicht erforderlich." (a. a. O., S. 26) Damit können also zum Beispiel auch vier oder fünf Besucher einer Bibliothek gleichzeitig in einem digitalisierten Buch stöbern, von dem die Bibliothek nur drei Exemplare hat. Dies könnte einen Anreiz schaffen, künftig von jedem Buch nur noch ein Exemplar zu erwerben. Der Gesetzgeber vertraut aber darauf, dass sich "das Anschaffungsverhalten der Bibliotheken ... aufgrund dieser Schrankenbestimmung [gemeint ist der neue § 52b UrhG] nicht ändern [wird]. Die Bibliotheken werden dazu entsprechende Selbstverpflichtungserklärungen abgeben." (ebenda)





NEUE NUTZUNGSARTEN

§ 31 IV UrhG wird aufgehoben und durch eine Neuregelung, den § 31a UrhG, ersetzt. Erstere Vorschrift erklärte bisher die Einräumung von Nutzungsrechten für noch nicht bekannte Nutzungsarten für unwirksam. Hatte beispielsweise vor etlichen Jahren ein Verlag vom Urheber vertraglich das Recht erworben, einen bestimmten Text als Buch herauszugeben, bezog sich diese Erlaubnis nicht auf E-Books, die es damals noch gar nicht gab und an die daher die Vertragsparteien noch nicht denken konnten. Wegen § 31 IV UrhG wäre eine Vertragsklausel, wonach eine "buchähnliche" Verwertung im Rahmen des neuesten Standes der Technik auch erlaubt sein würde, zum Schutz des Urhebers, der ja nicht wissen konnte, was die Zukunft an Technologien bringt und worauf er sich damit einlässt, unwirksam. Diese Regelung wird für nicht mehr zeitgemäß gehalten. Denn sie sorgte dafür, dass ein Verwerter für neue Medien Nutzungsrechte nacherwerben musste und dafür den Urheber oder seine Erben ausfindig machen musste, was oft faktisch nicht möglich oder mit hohen Kosten verbunden war. Unter bestimmten Voraussetzungen sind solche Vertragsvereinbarungen daher nunmehr möglich (§ 31a UrhG).




FAZIT UND KLARSTELLUNG

Die geplante Reform des Urheberrechts bringt für den Normalverbraucher kaum Änderungen.

Die Befugnis zur Privatkopie bleibt bestehen; digitale Vervielfältigungen sind aber nur bei nicht kopiergeschützten Werken erlaubt. An dieser Stelle sei klargestellt, dass das Urheberrechtsgesetz in den §§ 69a ff. Sonderregelungen für Computerprogramme enthält. Eine Befugnis zur Privatkopie besteht demnach bei Software nicht!

Der Gesetzgeber hat deutlich gemacht, dass Downloads von kommerziellen Werken (z. B. Musik, Filme) über Peer-to-peer-Tauschbörsen grundsätzlich nicht zulässig sind und dass man dafür bestraft werden kann. Der Rahmen der Privatkopie ist nämlich überschritten, wenn man Musik mit wildfremden Menschen tauscht.

Die Änderung der Regelungen über die Höhe der Pauschalvergütung könnte zu Preisänderungen bei Vervielfältigungsgeräten und -medien wie CD-/DVD-Brennern, Druckern, CD-/DVD-Rohlingen und Fotokopierern führen.

In öffentlichen Bibliotheken und Museen werden die Besucher in Zukunft elektronische Leseplätze vorfinden.



Nachtrag vom 02.11.2007: Das neue UrhG wurde am 31.10.2007 verkündet und tritt tatsächlich wie angekündigt am 01.01.2008 in Kraft.

Thomas Wagner 

Mittwoch, 27. Juni 2007

Georg Danzer – Abschied von einer österreichischen Legende

Am 21.06.2007 verstarb der österreichische Liedermacher Georg Danzer, der auch in Deutschland bekannt und beliebt war, im 60. Lebensjahr an Lungenkrebs.
 
Nach einigen erfolglosen Anläufen betätigt er sich in den 70er Jahren als Songschreiber für Musiker wie Wolfgang Ambros, Marianne Mendt, Erika Pluhar, Wilfried oder Margot Werner.
 
1971 wird er kurzfristig Mitglied der Gruppe "Madcaps" und hat dort mit "Schneemensch" einen kleinen Hit.
 
Der große Durchbruch erfolgt 1975 mit der Single "Jö schau" über den Nackerten im Hawelka, die Single wird 1976 auch vergoldet.
 
Es folgen Schallplattenverträge und Aufnahmen in Deutschland sowie zahlreiche Tourneen durch Österreich und Deutschland. Höhepunkt ist eine Open-Air-Tournee mit Ludwig Hirsch, Konstantin Wecker, Chris de Burgh und Georges Moustaki.
 
Danzer zieht sich nach Spanien zurück und 1984 erscheint das Album "Weiße Pferde" mit der gleichnamigen Single. Bei einem Motorradunfall in Spanien trägt er lebensgefährliche Verletzungen davon und wird nach Wien gebracht. Doch er hat weiter Probleme und 1985 erfolgt die Scheidung von seiner Frau, sein Steuerberater geht in Konkurs, sein Manager taucht unter und Danzer steht vor einer Menge Schulden und auch die Plattenfirma gibt ihm keinen neuen Vertrag.
 
Ende der 80er Jahre zieht er zurück nach Deutschland, widmet sich der spanischen Sprache und fertigt professionell spanische Übersetzungen.
 
In den 90ern folgen weitere Veröffentlichungen und Auftritte, Danzer erhält zahlreiche in- und ausländische Ehrungen und 1995 erscheint mit seiner neuen Band (mit u. a. Ulli Bäer und Gary Lux) die LP "Große Dinge" und die Hitsingle "Anplagged".
 
1997 steht Danzer erstmals mit Rainhard Fendrich und Wolfgang Ambros als "Austria 3" auf der Bühne – das geplante Konzert (ein Benefiz für Obdachlose) wird derart erfolgreich, dass eine Tournee und in den kommenden Jahren drei CD-Veröffentlichungen sowie Auftritte beim Donauinselfest in Wien folgen.
 
Aufgrund seines Engagements im sozialen Bereich wird Danzer 2000 zum Vorsitzenden von SOS-Mitmensch gewählt, neben seinen Platten betätigt er sich weiterhin als Liederschreiber, tritt als Gruppe DBB (Danzer/Bäer/Baum) auf und im September 2005 erschien das letzte Album "Von Scheibbs nach Nebraska". Am 28.07.2006 wird – nach der Abschlusstournee von Austria 3 – bei Danzer Lungenkrebs festgestellt und wegen seiner Behandlung werden die Termine verschoben. So findet erst am 16.04.2007 in der Wiener Stadthalle sein nachgeholtes Jubiläumskonzert "Georg Danzer & Freunde" statt und am 17.05.2007 erhält er für sein musikalisches Schaffen den "Amadeus", den Musikpreis Österreichs, den er aber nicht persönlich entgegennehmen kann.
 
Seinen Auftritt beim Donauinselfest 2007 kann er nicht mehr machen, denn wenige Tage zuvor verstirbt der sozial engagierte, nie abgehobene und immer am Boden gebliebene Austro-Pop-Star Georg Danzer.
 
"Jetzt wo ollas wachst und ollas bliad
daß ma im herzn drin ganz damisch wiad
wüll i mi ned in gruabn einelegn
laß mi amoi no dsunn aufgeh segn"

 
Herbert Zach

Montag, 21. Mai 2007

Eurovision Song Contest 2007

Am Samstag, den 12. Mai, war es wieder so weit. Der Eurovision Song Contest fand in Helsinki statt. 2006 hatte ihn die finnische Band Lordi mit dem Titel "Hard Rock Hallelujah" in das Land der tausend Seen geholt. Von den ursprünglich 43 Ländern traten letztendlich nur 42 an, weil Monaco seine Teilnahme zurückzog. Italien, das seit 1998 durch Abwesenheit aufgrund von mangelnden Einschaltquoten glänzte, war auch dieses Jahr nicht dabei.
 
Am 10. Mai fand das so genannte Halbfinale statt. DJ BoBo, der für die Schweiz antrat, schied zu Recht mit seinem Titel "Vampires Are Alive" aus. Mit einer Mischung aus dem Star Wars Theme und 90er-Jahre-Pop, der irgendwie an Chipz und Banaroo erinnert, kein Wunder. Neben der Schweiz schieden auch Belgien, die Niederlande, Polen und Österreich aus. Auch der israelische Beitrag, der im Vorfeld für Kritik sorgte, konnte sich nicht durchsetzen.
 
Unter den 24 Finalteilnehmern waren somit nur noch neun westeuropäische Länder. Wobei die "vier Großen", Deutschland, England, Frankreich und Spanien, von vorne rein qualifiziert waren. Das Gleiche galt für den Vorjahresgewinner Finnland. Das Halbfinale wurde im Übrigen vom serbischen Beitrag gewonnen.
 

 
Am 12. Mai war es nun so weit. Im Prinzip war alles wie jedes Jahr. Nervige Moderatoren und dauernd diese kleinen Einspielungen zwischen den Beiträgen.
 
Nach dem ersten Beitrag kam die spanische Gruppe D'Nash – "I Love You Mi Vida". Mal davon abgesehen, dass sich das Lied verdammt nach East 17 anhörte, sahen sie auch noch so aus. Gleich im Anschluss kam der weißrussische Beitrag. Ein Mann namens Koldun und mit verblüffender Ähnlichkeit mit Ken (von Barbie), wie Peter Urban passend bemerkte, sang "Work Your Magic". Nach ein paar normalen Auftritten kam The Ark aus Schweden. Irgendwie erinnerte einen der Sänger an Tokio Hotel oder war es doch der Psychopath aus "Schweigen der Lämmer"? Zumindest lieferten sie eine guten Auftritt mit ihrem Song "The Worrying Kind" ab. Was für das Auge bot der 15. Beitrag aus Russland. Drei hübsche Mädels räkelten sich lasziv am Mikrofon und sangen unter dem Namen Serebro das gar nicht mal so schlechte Lied "Number One Song".
 
Es folgte der deutsche Beitrag. Entgegen der Erwartungen sang Roger Cicero eine Strophe des Stückes "Frauen regier'n die Welt" auf Englisch. Es war ein solider, unauffälliger Auftritt.
 
Wer behauptete, nur schöne, großbrüstige Frauen können diesen Wettbewerb gewinnen, wurde dieses Jahr eines besseren belehrt. Ein Wesen, halb Angela Merkel, halb Daniel Küblböck mit dem Namen Marija Šerifovic sang inbrünstig "Molitva". Das mag jetzt vielleicht sehr hart klingen, aber was der armen Frau mit diesem Outfit angetan wurde, war einfach grausam.
 
Was dann folgte, grenzt an die Vorstellungskraft des menschlichen Geistes. Wer sich Werka Serdjutschka – "Dancing Lasha Tumbai" doch einmal zu Gemüte führen will, sollte einfach mal bei youtube danach suchen. Der ukrainische Beitrag blieb aber im Ohr, auch wenn man das Genre als Techno-Polka beschreiben kann.
 
Startnummer 19 hatte die englische Gruppe Scooch. Ihr Titel "Flying The Flag (For You)" gehörte in die Kategorie "seelenloser Plastikpop", der einen schon beim ersten Hören langweilt.
 
Nachdem alle 24 Interpreten ihre Auftritte hatten, folgte eine gute Bühnenshow mit Apocalyptica. Im Anschluss kam es wie immer zum eigentlichen Highlight dieser Veranstaltung: der Punktevergabe. Stimmberechtigt waren alle 42 Teilnehmerländer. Die ersten 7 Punkte wurden nicht vorgetragen, sondern eingeblendet. Punkte 8, 10 und 12 wurden wie immer verlesen.
 
Am Ende stand Serbien mit 268 Punkten, gefolgt von der Ukraine mit 235 vorne. Den dritten Platz belegte Russland mit 207 Zählern. Letzter wurde Irland mit nur 5 Punkten.
 
Vorletzte wurden England und Frankreich mit je 19 Punkten. Platz 20 belegte Spanien. Deutschland wurde 19. und hat es somit wieder geschafft, bester "der großen Vier" zu sein! Bester westeuropäischer Teilnehmer war die Türkei mit 163 Punkten auf Platz 4.
 
Nun wurde Kritik laut. Die osteuropäischen Staaten würden sich gegenseitig die Punkte zuschieben und es drehe sich alle nur am Patriotismus.
 
Diese Behauptung ist bei näherer Betrachtung nicht haltbar. Werfen wir als erstes einen Blick auf "die großen Vier". Jedem realistisch denkendem Mensch war klar, dass Roger Cicero keine Chance hatte, unter die ersten 10 zu kommen. Dafür ist Swing einfach zu unpopulär, vor allem auf Deutsch. Etwas enttäuscht darf man wohl über die Stimmen aus Österreich und der Schweiz sein. Jeweils gab es nur 7 Punkte. Selbst wenn sie uns aber wie in alten Zeiten 12 Punkte gegeben hätten, wäre kein Platz unter den ersten 10 dabei herausgekommen. Nun stellt sich natürlich die Frage, inwiefern uns Monrose oder Heinz Rudolf Kunze weitergebracht hätten.
 
Die Titel der anderen Großen haben genau den Platz erreicht, den sie verdient haben. Spanien bekam interessanterweise aus Albanien die Höchstpunktzahl, aus dem Nachbarland Portugal nur 8 Zähler und keinen einzigen aus Andorra. England traf musikalisch genau den Geschmack in Malta und bekam 12 von ihren insgesamt 19 Punkten. Irland steuerte die restlichen 7 bei. Im Gegenzug gab es von England keinen einzigen Zähler für Irland.
 
Aus Deutschland kamen natürlich 12 Punkte für die Türkei. Einige Dinge werden sich wohl nie ändern. Gewinner Serbien bekam aus fünf Ländern keine und aus neun 12 Punkte. Ansonsten waren so gut wie alle Wertungsstufen vertreten, wobei die 12 aus ost- wie westeuropäischen Ländern kamen. Die 12 Zähler aus Montenegro fallen an dieser Stelle nicht ins Gewicht.
 
Punktemagnet Russland kann man eigentlich nur den "12-Punkte-Tausch" mit Weißrussland vorwerfen. Die Sowjetunion mag zwar noch den einen oder anderen Zähler gebracht haben, allerdings gab es auch hier eine gleichmäßige Verteilung von West und Ost. Die kulturellen Gemeinsamkeiten sollte man auch nicht vergessen. Russland hat einfach viele Nachbarn.
 
Es lässt sich entgegen der Kritik sogar das Fazit ziehen, dass die patriotische Punktevergabe immer weiter zurückgeht und am Ende wirklich das beste Lied gewinnt. Zudem hätte sich kaum etwas an der Platzverteilung geändert, wenn nur die 21 westeuropäischen Länder abgestimmt hätten.
 
Die Welt könnte so schön sein, doch eine riesige, tiefschwarze Wolke verdunkelt auf einen Schlag alles. Das Gewinnerlied ist ein Plagiat! Wollen wir nicht zu voreilig sein. Die Vorlage stammt von der Sängerin Soni Malaj. 2006 trat sie auf dem albanischen Musikfestival "Top Fest" auf. Vergleicht man den Titel "Ndarja" mit dem Song-Contest-Gewinnertitel, so fällt doch eine verblüffende Ähnlichkeit auf, die vor allem im Refrain deutlich wird. Außerdem sieht die Albanerin wesentlich besser aus. Dass es sich um einen Zufall handelt, ist wohl ziemlich unwahrscheinlich, da Serbien und Albanien Nachbarländer sind. Von offizieller Seite wurde sich noch nicht geäußert.
 
Falko "Frab" Rickmeyer